Wenn die Zähne von Kindern den Sozialstatus der Familie widerspiegeln, von Gordon Lemm, Bezirksstadtrat und Co-Kreisvorsitzender SPD MaHe
Gesunde Zähne sind eine der Voraussetzungen dafür, dass ein Kind gesund aufwächst. Leider zeigen aktuelle Zahlen unseres Gesundheitsamts, dass diese Voraussetzung immer seltener gegeben ist.
Jedes fünfte dreijährige Kind in Marzahn-Hellersdorf hat bereits Karies. Bei den Sechsjährigen haben nur 56 Prozent der Kinder noch gesunde Zähne. Das ist ein extrem schlechter Wert. Die Gründe für diese alarmierenden Zahlen sind vielfältig.
Ursache der unzulänglichen Zahngesundheit ist eine Mischung von falscher Ernährung, mangelnder Profilaxe und fehlendem Problembewusstsein im Elternhaus. Dabei zeigt sich eine deutliche Korrelation zwischen Zahngesundheit und sozialem Status der Familien. Die mit Abstand schlechtesten Zahlen haben wir in Hellersdorf Nord und Marzahn Nord. Hier haben unter den Sechsjährigen nur noch 38 bzw. 44 Prozent der Kinder gesunde Zähne.
Leider tragen auch unsere Kitas zu diesen erschreckenden Zahlen bei. Denn nur in 88 unserer 156 Kitas in Marzahn-Hellersdorf ist das Zähneputzen tägliche Routine. Angesichts der mangelhaften Zahnpflege in den Elternhäusern wäre es aber zwingend notwendig, dass alle unsere Kitas das Üben des Zähneputzens in ihr Programm aufnehmen. Unsere Kinder können nichts für das Umfeld, in das sie hineingeboren werden. Deshalb fordere ich eine Zahnputzpflicht in allen Kitas.
Dass auch die Milchzähne geputzt und gepflegt werden müssen, war eine wichtige Erkenntnis, die den Fachkräften unseres Bezirks auf einer im November von mir organisierten Gesundheitskonferenz vermittelt wurde. Durch Karies verursachter Verlust von Milchzähnen kann zu Sprachstörungen, chronischen Entzündungen und sozialer Isolation führen. Die Schäden an den ersten Zähnen setzen sich durch Schiefstände und Kariesanfälligkeit häufig auch im Erwachsenenleben fort. Leider können wir daher am Zahnstatus von (jungen) Menschen unseres Bezirks erkennen, ob sie aus armen oder wohlhabenden Verhältnissen kommen – ein Zustand, den wir seit Langem überwunden glaubten. Als Sozialdemokraten sollten wir uns deshalb für eine Pflicht zum Zähneputzen und eine entsprechende Aufklärung der Eltern in unserem Bezirk einsetzen. Ich werde an diesem mich sehr beunruhigenden Problem dranbleiben.
Herzlich Euer
Gordon